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Geschichtliches

Gemeindegeschichte

Wer von außen nach Melle kommt, der entdeckt sehr bald die beiden markanten Kirchtürme, die den Mittelpunkt der Stadt markieren. Einer davon gehört zur evangelischen St.-Petri-Kirche aus dem Jahre 1723. St.-Petri ist eine dreischiffige Hallenkirche mit einer Innenausstattung im norddeutschen Barock. Besonders erwähnenswert ist die restaurierte und rekonstruierte Christian-Vater-Orgel von 1723, die im Jahre 2000 wieder eingeweiht werden konnte.

Die St.-Petri-Gemeinde ist eine Innenstadtgemeinde. Eingeschlossen sind auch die evangelischen Christen aus den Ortsteilen Gerden, Gesmold und Wellingholzhausen. Insgesamt gehören zu ihr ca. 6500 Mitglieder. St. Petri ist eine traditionsverbundene Gemeinde, die in den letzten Jahren ein vielfältiges Gemeindeleben entwickelt hat, das offen ist und viele neue Impulse aufgenommen hat.

Schwerpunkte der Gemeindearbeit sind die Kirchenmusik, die Partnerschaftsarbeit mit Südafrika, die Kindergartenarbeit, Gottesdienste für jung und alt, die Arbeit mit jungen Familien und vieles mehr. Für diese Arbeit stehen eine Reihe eigener Gebäude und Räumlichkeiten zur Verfügung.

Die Kirchengemeinde ist in 5 Pfarrbezirke aufgeteilt, die gegenwärtig von 3 Pastoren betreut werden. Für die Kinder- und Jugendarbeit ist ein Diakon verantwortlich. Die Kirchenmusik wird von einem A-Kantor geleitet.
Die Leitung der ganzen Gemeinde hat der Kirchenvorstand, dem 17 Mitglieder angehören. Eine große Zahl von Ehrenamtlichen leitet und betreut eine Vielzahl von Gruppen und Kreisen. Darüber hinaus gibt es ein Gemeindebüro, das stundenweise mit einer Pfarrsekretärin besetzt ist. Ein Hausmeister sorgt im Gemeindehaus für Ordnung. Zwei Küster sind für die Betreuung der Gottesdienste und Veranstaltungen in der Kirche verantwortlich.

 

St.-Petri-Kirche Melle - ein Rundgang durch die Kirche

Der Rundgang durch die Kirche beginnt am Westportal. Ein Inschriftenstein mit der Jahreszahl 1652, der 1962 in altem Bauschutt gefunden und links hinter dem Turmeingang in die Wand eingesetzt wurde, erinnert an die Capitulatio Perpetua und die Errichtung der ersten evangelischen Kirche an diesem Ort.

Im Eingangsbereich unter dem Turm weist rechter Hand eine Tafel von 1724 auf den Brand und die Fürsorge des Landesherrn beim Wiederaufbau der Kirche hin.

Die Petri-Kirche ist eine dreischiffige Hallenkirche mit gotischen Stilelementen und einem polygonalen Ostabschluss. Hauptschiff und Seitenschiffe sind von spitzbogigen Kreuzgratgewölben überfangen, die von schlanken quadratischen Pfeilern mit Vorlagen aufsteigen.

Altar, Kanzel und Taufbecken - im Barockstil - wurden für den Neubau von den damaligen Besitzern der Häuser Gesmold, Bruche und Ostenwalde gestiftet und tragen deren Wappen.

Den Deckel des Taufsteins krönt eine Statuette Johannes des Täufers. Die Taube aus Blei, Symbol des Heiligen Geistes, dient als Gegengewicht.

Die Altargemälde zeigen das Abendmahl und die Auferstehung.
Als Seitenfiguren sind ihnen Moses mit den Gesetzestafeln und der Hohepriester Aaron bzw. Petrus und Paulus, die Zeugen des Auferstandenen, beigegeben. Die Putten mit den Leidenswerkzeugen am Gesprenge weisen auf die Passion Jesu hin.

Auf dem Schalldeckel der Kanzel wird in der Skulptur des triumphierenden Christus mit der Siegesfahne das Thema der Auferstehung wieder aufgenommen. Die Figuren an der Kanzelbrüstung stellen Christus als Weltenherrscher und die vier Evangelisten dar.

Die reichen Verzierungen mit Akanthusblättern, schon in der Antike ein Unsterblichkeitssymbol, sind in einer christlichen Kirche ein Hinweis auf den Glauben an Auferstehung und Ewiges Leben.

Ein als Erdenrund gestalteter Leuchter steht seit dem Ewigkeitssonntag 1997 neben dem Altar. Der aus Messing geformte Äquator trägt die Inschrift: Christus spricht: Ich bin das Licht der Welt.

Die farbigen Glasfenster im Chor erinnern an die 103 Gefallenen des 1. Weltkrieges aus der Petri-Gemeinde. Sie wurden von Angehörigen gestiftet.

Das Bild des Gekreuzigten unter dem südlichen der beiden Fenster ist die Stiftung eines Konfirmandenjahrgangs der späten 1920er Jahre.

Das Wappen Ernst Augusts II. als Deckengemälde im Chorgewölbe zeugt von der Dankbarkeit der Gemeinde für die Fürsorge des Landesherrn beim Bau der Kirche. Ein Gewölbeschlussstein im Mittelschiff trägt das Wappen Idel Jobsts von Vincke, der sich nach dem Brand von 1720 als Baubeauftragter des Bischofs große Verdienste um den Wiederaufbau der Stadt und der Petri-Kirche erworben hat.

Die Brüstungstafeln der Nordempore sind bemalt mit den Wappen von Besitzern der Häuser Bruche und Laer, mit einer Zusammenfassung der Geschichte der Petri-Gemeinde, dem Bild des Reformators Martin Luther mit Erläuterungen und einer Darstellung der Taufe Jesu.

An der Ostempore werden links und rechts vom Altar die vier großen Propheten den vier Evangelisten zugeordnet. Auf der Brüstung der 1905 errichteten Südempore findet sich das Wappen der Stadt Melle.

Die beiden Kronleuchter wurden 1726 und 1759 gestiftet, und zwar von dem damaligen Bürgermeister bzw. dem letzten Meller Scharfrichter.

St.-Petri-Kirche Melle - Geschichtliches

Die erste evangelisch-lutherische Kirche Melles wurde kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg, in den Jahren 1651/52, erbaut.
Nach den Bestimmungen der Capitulatio Perpetua, einer Art Ausführungsgesetz zum Friedensvertrag von 1648, das u.a. die konfessionellen Verhältnisse im Fürstbistum Osnabrück regelte, waren in der Stadt Melle beide Konfessionen zugelassen.
Die alte Kirche blieb den Katholiken, während die evangelischen Christen die Erlaubnis zum Bau einer neuen erhielten. Diese Kirche wurde schon etwa siebzig Jahre später bei dem großen Brand von Melle am 10. Mai von 1720, der zwei Drittel der Stadt einäscherte, bis auf die Grundmauern zerstört.
Den Wiederaufbau konnte die verarmte Gemeinde nur dank der großzügigen Unterstützung durch Fürstbischof Ernst August II. von Osnabrück, mit Hilfe von Kollekten, die bis nach Köln und Holland gesammelt wurden, und in mühsamer Eigenarbeit (Hand - und Spanndienste) bewältigen.
Der Neubau wurde am 17. Oktober 1723 geweiht, war aber erst 1725 ganz fertig gestellt. In einem letzten Bauabschnitt wurde der Turm mit seiner barocken Buckelhaube errichtet.
 
 

Das weltliche Patronat von St. Petri zu Melle

Das Patronat von St. Petri wird als Conpatronat getragen von den Gütern Bruche und Laer sowie von der Ev.-Luth. Landeskirche Hannovers und im Wechsel repräsentiert und vertreten durch die jeweiligen Eigentümer beider Güter. Das Patronat geht auf vorreformatorische Zeit zurück, zunächst verbunden mit der Matthäuskirche. Seit 1651 verpflichtete es sich für die neue ev. Kirche. Engagement, Fürsorge und Leitung als Rechtfertigung des Patronats passten sich den  Anforderungen der Jahrhunderte an.

Das Patronat begründet sich auf kirchlichem Recht, das ihm seine Eigenständigkeit gibt. Sein jeweiliger Vertreter ist geborenes Mitglied im Kirchenvorstand. Im Wechsel mit der Landeskirche übt das Patronat das Präsentationsrecht  für die Besetzung  der 1. Pfarrstelle der St. Petri-Kirche aus. Darüber hinaus engagiert es sich nach seinen persönlichen und sachlichen Möglichkeiten  für das Gemeindeleben. In der derzeitigen Legislaturperiode des Kirchenvorstandes wird das Patronat durch Sabine Freifrau v. Richthofen für das Gut Laer vertreten.
 
Literatur:
Stephanie v. Bar, „Die Entwicklung des Patronatswesens im Grönegau mit besonderer Rücksicht auf die Verhältnisse von St. Petri zu Melle“. In: „Der Grönegau“, Meller Jahrbuch 1999, Bd. 17
 
Wilhelm Knigge, „Aus den Anfängen unserer Petri-Gemeinde“. In: Festschrift zur Wiedereinweihung der St. Petri-Kirche zu Melle am 18. Dezember 1994
 
 
Turm über Dächern quer
Foto: Teik
Turm Hochkant im Licht
Foto: Teik